Deutsches U-Boot-Museum

Suche

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Sehr Erfolgreich...

Serien > Besondere Boote

  • U 107 - und die erfolgreichste Unternehmung eines deutschen U-Bootes im II.Weltkrieg

Am 29. März 1941 legte das Typ IX B U-Boot "U-107" (Gebaut 1939/40 bei der AG Weser in Bremen, Indienststellung 08.10.1940, Verdrängung 1.051 to, getaucht 1.178 to, Länge 76,5 m, Breite 67 m, Geschwindigkeit 18,2 kn, getaucht 7,3 kn, Reichweite 12.000 sm bei 10 kn, getaucht 64 sm bei 4 kn, 4 Bug- und 2 Hecktorpedorohre, bis zu 22 Torpedos an Bord, alternativ bis zu 44 Minen, 56 Mann Besatzung) das unter dem Kommando von Kapitänleutnant Günter Hessler stand, zur seiner zweiten Unternehmung ab. Zusammen mit "U-94", löste es sich von der Ausrüstungspier in Lorient und fuhr im Geleit, bis die offene Biskaya erreicht wurde. Als Operationsgebiet teilte man dem Kommandanten von "U-107" mit, den Seeraum zwischen den Kanaren und Sierra Leone, bzw. bis vor Freetown anzusteuern.

Bis zum frühen Morgen des 8. April geschah nichts Besonderes. Die See schien leerge-fegt. Plötzlich kam ein abgeblendet laufen-der Dampfer in Sicht. Der erste Torpedo-Einzelschuss untersteuerte das Ziel. "U-107" nahm die Verfolgung des unregelmäßig, zackenden Dampfers auf. Der zweite Torpe-do traf die britische "Eskdene", ein Schiff von 3.829 BRT, in den Bug. Wild über Funk um Hilfe rufend, blieb das Schiff liegen, sackte vorne tiefer, schien aber nicht sinken zu wollen.


Indienststellung am 08.10.1940

Nachdem die Besatzung des Frachters vollzählig von Bord gegangen war, brachten schließlich 104 Granaten des Buggeschützes die "Eskdene" gegen 07.47 Uhr zum Sinken. Kapitänleutnant Hessler wusste nun, dass er einen Nachzügler des Konvois OG 57 versenkt hatte. Also musste sich "U-107" in der Nähe des Geleitzuges befinden. Bereits am späten Nachmittag kam der weit auseinander gezogene Konvoi in Sicht. Ein um 19.40 Uhr abgefeuerter Torpedo traf den britischen Dampfer "Helena Margareta" unterhalb der Brücke. Der 3.316 BRT große Dampfer sank innerhalb einer Minute steil über den Vordersteven.

Das Sinken des Schiffes verlief unheimlich schnell, sodass 27 Seeleute der 36köpfigen Besatzung den Tod fan-den. Am 09. April, kurz nach Mitternacht, schloss "U-107" wieder zum Geleitzug auf und erreichte bald eine gün-stige Schussposition. Um 00.37 Uhr feuerte Hessler einen Torpedo-Zweierfächer auf den britischen Dampfer "Harpathian". Während der erste Torpedo vorbei lief, ging der zweite Torpedo nach 56 Sekunden Laufzeit an dem 4.671 BRT großen Dampfer hoch. Das Schiff, das Flugzeugteile für die Royal Air Force nach Westafrika befördern sollte, brach in der Mitte auseinander und sank innerhalb weniger Minuten. Von den 43 Männern der Besatzung fanden vier Seeleute den Tod. Am Nachmittag dieses Tages kam ein großer Dampfer in Sicht, der sich dann rasch als Tanker herausstellte. Um 19.20 Uhr fiel der Fächerschuss aus den beiden Heckrohren V und VI. Der erste "Aal" traf den Tanker unter der Vorderkante der Brücke, der zweite detonierte 15 Meter hinter der Brücke. Doch trotz der Torpedotreffer konnte das Schiff noch weiterlaufen, wurde aber weiterhin von "U-107" verfolgt. Erst nach vier weiteren Torpedotreffern sank der Tanker am Morgen des 10. April 1941. Bald stellte sich heraus, dass es sich um den britischen Motortanker "Duffield" mit 8.516 BRT handelte, der mit einer Ladung von 11.700 Tonnen Öl auf den Weg von Curacao nach Gibraltar war. Die "Duffield" war das letzte Opfer von "U-107" am Konvoi OG 57. Von der 52köpfigen Besatzung fanden 25 Seeleute den Tod.


Am 21. April 1941 kam ein riesiger Dampfer bei spiegelglatter See in Sicht. "U-107" lief in Angriffsposition und feuerte um 14.20 Uhr einen Torpedo-Zweierfächer. Der erste Torpedo traf nach nur 35 Sekunden Laufzeit unter dem Schornstein, dem sogleich eine Kes-selexplosion folgte. Der zweite Torpedo detonierte nach 38 Sekun-den im vollbeladenen Bauch des Schiffes. Es war der britische Frachter "Calchas" mit 10.305 BRT, der um 14.58 Uhr nach einem weiteren Torpedo-Fangschuss sank. Zuvor war die Besatzung be-reits in die Rettungsboote gestiegen und ruderte von der sinkenden "Calchas" weg. Als "U-107" später auftauchte, zählte die Brücken-wache vier Rettungsboote mit etwa 100 Überlebenden. Tatsächlich befanden sich 104 Besatzungsmitglieder und neun Passagiere an Bord des Frachters, von denen 31 Seeleute und ein Passagier den Untergang des Schiffes nicht überlebten. Am Abend des 30. April sichtete "U-107" das britische Motorschiff "Lassell" mit 7.417 BRT und versenkte es um 21.58 Uhr.


Kapitänleutnant Günter Hessler

Am 03. Mai 1941 traf "U-107" auf den deutschen Marinetanker "Nordmark" und begann sofort mit der Ölübernahme. Anschließend lief das Boot ins Operationsgebiet zurück, wo es am 09. Mai auf den Versorger "Egerland" traf, von dem es Torpedos, Proviant und Frischwasser übernahm. Danach lief "U-107" weiter das zugewie-sene Einsatzgebiet vor Freetown.


Kurz nach Mitternacht des 17. Mai lief dem Boot der niederlän-dische Motortanker "Marisa" mit 8.029 BRT über den Weg. Ein Schuss aus dem Torpedorohr II um 00.36 Uhr stoppte den Tanker, der sofort tiefer sackte und in Höhe des achteren Mastes ein-knickte. Nach einem weiteren Torpedoschuss um 01.15 Uhr wurde das Schiff mit Artillerie versenkt. Am folgenden Tag wurde um 22.27 Uhr der britische Dampfer "Piako" mit 8.286 BRT nur 120 Seemeilen vor Freetown von "U-107" torpediert und um 22.43 Uhr, nach dem die Besatzung das Schiff verlassen hatte, mit einem Torpedo-Fangschuss versenkt.

Schließlich konnte am 27. Mai um 01.01 Uhr, der britische Dampfer "Colonial" mit 5.108 BRT, ebenfalls im Seegebiet vor Freetown torpediert und um 01.46 Uhr mit einem Fangschuss versenkt werden. Die "Colonial" war ein Schiff des bereits aufgelösten Geleitzug OB 318.

Am nächsten Tag traf es den griechischen Dampfer "Papalemos" mit 3.748 BRT. Das Schiff war unterwegs von Freetown nach Großbritannien und wurde durch einen Torpedotreffer von "U-107" gestoppt und anschließend mit Artillerie versenkt. Von der 29köpfigen Besatzung fanden zwei Mann den Tod. Am 31. Mai traf "U-107" auf den in Ballast fahrenden britischen Dampfer "Sire" mit 5.664 BRT und torpedierte diesen um 07.39 Uhr. Drei Minuten später wurde die "Sire" mit einem Fangschuss versenkt.


Bereits am folgenden Tag entdeckte "U-107" das britische Motorschiff "Alfred Jones" mit 5.013 BRT. Hessler feu-erte einen Torpedo-Zweierfächer auf das Schiff, wobei beide Torpedos im Achterschiff detonierten, das sogleich in eine ungeheure Qualmwolke gehüllt wurde. Langsam bekam der Dampfer Schlagseite nach Steuerbord, wäh-rend "U-107" hinter dem Heck vorbeilief. Als Schiffstrümmer gegen das Sehrohr stießen, fuhr Hessler das Peris-kop für einige Zeit ein. Als er das Sehrohr dann wieder herausfuhr beobachtete der U-Boot-Kommandant, wie auf der schrägen Backbordseite des Schiffes Rettungsboote zu Wasser gebracht wurden und Teile der Besatzung über Strickleitern in die Boote kletterten. Hessler blieb misstrauisch, die vielen Leute an Bord, dazu noch viele in tadellosen weißen Uniformen kamen ihn merkwürdig vor.

So betrachtete er den modernen Frachter mit dem Luftzielsehrohr etwas genauer. Sofort konnte er überall auf dem Schiff Leute erkennen, die sich hinter allen möglichen Verschlägen und Kisten versteckt hielten. Deshalb ent-schloss sich Hessler für einen Torpedofangschuss auf den gestoppt liegenden Frachter. Nach der Torpedo-Detonation sprangen die noch an Bord befindlichen Seeleute von Bord, denn die "Alfred Jones" sank jetzt schnell über den Achtersteven. Die im Wasser schwimmenden Männer wurden anschließend von den bereits im Wasser befindlichen eigenen Rettungsbooten aufgenommen. Merkwürdig blieb aber für Hessler die große Zahl der Besat-zungsangehörigen des Dampfers, die er auf 150 schätzte.


Da er hinter den hohen Kisten an Oberdeck des Motorschiffes getarnte Geschütze und Wasserbombenwerfer ver-mutete, schloss der U-Boot-Kommandant auf einen Hilfskreuzer oder U-Boot-Falle. Hier jedoch irrte Hessler, denn die "Alfred Jones" war keines von beiden, sondern sie war das Schiff des Konvoi-Kommodore des Geleitzuges OB 320, der sich mit seinem gesamten Stab auf dem Motorschiff befand. Deshalb auch die vielen tadellosen Unifor-men! Die "Alfred Jones" war mit einer Ladung von zirka 2.000 Tonnen Militärgut, vor allem Flugzeugteilen, was auch die hohen Kisten an Deck des Schiffes erklärt, auf dem Weg nach Freetown. Auch bei der Besatzungszahl irrte sich Hessler ebenfalls, keine 150, sondern nur 63 Mann waren auf den Frachter, von denen zwei beim ers-ten Angriff von "U-107" auf das Schiff ums Leben kamen.


Am 08. Juni 1941 wurde nur 82 Seemeilen vor Free-town das britische Motorschiff "Adda" mit 7.816 BRT durch einem Torpe-doschuss versenkt. Von der 154köpfigen Besatzung fanden acht Mann den Tod. Zu-sätzlich befanden sich an Bord der "Adda" 260 Passagiere, von denen zwei ums Leben kamen.


Als in den folgenden Tagen die Luftüber-wachung zunahm, zog sich "U-107" aus dem Seegebiet vor Freetown zurück. Jedoch gelang es "U-107" am 13. Juni, zirka 500 Seemeilen nordöstlich von Freetown, den griechischen Dampfer "Pandias" mit 4981 BRT erneut mit nur einem Torpedo versen-ken. Der Frachter war mit einer Ladung von 4.894 Tonnen Kohle und 1.050 Tonnen Mili-tärgütern, sowie elf "Spitfire"- Jagdflugzeu-gen auf dem Weg nach Table Bay. Nach der Versenkung der "Pandias" tauchte "U-107" auf und näherte sich dem Rettungsboot. Hessler half den griechischen Kapitän mit Kursangaben, ferner ließ er den Schiff-brüchigen Zigaretten, Frischwasser und Rum ins Boot reichen. Von den 34 Besat-zungsmitgliedern im Rettungsboot der "Pandias" fanden auf dem langen und be-schwerlichen Weg von über 500 Seemeilen zur afrikanischen Küste leider elf Seeleute den Tod.

Begrüßung der Besatzung nach Verleihung des RK an den Kommandanten Hessler durch Admiral Dönitz

Am 19. Juni trat "U-107" den Rückmarsch nach Westfrankreich an, wo das Boot am 02. Juli 1941 wieder in Lo-rient festmachte. Damit war die erfolgreichste Feindfahrt eines deutschen U-Bootes im II. Weltkrieg zu Ende ge-gangen. "U-107" gelang es während dieser zweiten Unternehmung 14 Schiffe mit 86.699 BRT versenken. Be-reits während der ersten Unternehmung von "U-107" hatte Hessler vier Handelsschiffe mit 18.482 BRT versenkt, was zum damaligen Zeitpunkt, im Juni 1941, einem Gesamtergebnis von 105.181 BRT entsprach. Dafür wurde Kapitänleutnant Günter Hessler am 24. Juni 1941 mit dem Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz ausgezeichnet.


Text Hans-Joachim Röll - Fotos: Deutsches U-Boot-Museum

Willkommen | Das Archiv | Freundeskreis | Dienstleistungen | Strandgut | Serien | Literatur | Modellbau | Museum | Kaiserliche Marine | K.u.k Kriegsmarine | Kriegsmarine | DDR-Marine | Bundesmarine | Links | FAQ | Formulare | Disclaimer | Impressum | Anfahrt und Wetter | | Letzte Nachrichten | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü